BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

 

ULRICH-WILHELM GRAF SCHWERIN VON SCHWANENFELD


1921 – 1944

 

Gutsbesitzer. - Geboren am 21. Dezember 1902 in Kopenhagen. Hingerichtet am 8. September 1944 im Zusammenhang mit den Ereignissen am 20. Juli 1944. Die Angehörige eines politischen Gefangenen berichtet: »Ich stehe an der schweren inneren Eisentür zum Gefängnis und rede mit einem SS-Mann, um ihn zu einer Paketannahme zu bewegen. Da öffnet sich plötzlich die Gefängnistür, und es tritt über die Schwelle ruhig ein aufrechter Mann, die Hände gefesselt auf dem Rücken, gefolgt von einem kleinen Gestapo-Mann, der mir vorkam wie ein Reptil. Der SS-Mann flüstert mir zu: »Das ist der Graf Schwerin — Plötzensee« Ich wußte, was Plötzensee bedeutet, und die Erkenntnis durchzuckt mich: Das ist einer, der zu sterben weiß.«

Abschiedsbrief an seine Frau

Berlin - Plötzensee, den 8. September 1944

Mein Liebling! Nun ist die letzte Stunde gekommen... Ich kann Dir nichts mehr raten, nur bitten, daß Du den Kindern die Jugend so froh als möglich gestaltest, was bei aller Einschränkung möglich ist Denk an Deine eigene Jugend. Laß die Jungens viel lernen und Berufe ergreifen, die ihren Anlagen entsprechen und aus denen ein Aufstieg möglich ist. Also nicht... ein ungeliebter Beruf, den er nicht voll ausfüllt...
Daß ich ungebeugt in den Tod gehe in dem festen Bewußtsein, nichts für mich und alles für unser Vaterland gewollt zu haben, das muß Dir immer Gewißheit bleiben und das mußt Du den Söhnen immer wieder sagen.
Du weißt, daß zu allen Zeiten mein Handeln auf Deutschland ausgerichtet war, nach der Tradition der Familie aus glühender Vaterlandsliebe, die alles andere überwog. Andere Zeiten werden andere Sitten  und Anschauungen im einzelnen bringen, aber die Liebe zum Vaterland wird ewig der Bestandteil des Lebens bleiben, der alles andere beherrscht. Erziehe die Söhne zu christlichen Edelleuten ohne Engigkeit im Denken, aber auch ohne Laxheit.
Und nun noch Dir aus übervollem Herzen Dank für Deine Liebe, die mein Leben verschönte. Sei tapfer und bewahre mir Deine Liebe bis an Dein Lebensende...
Ich muß Schluß machen. Grüße alle, die ich liebte und die mich geliebt und geschätzt haben, die Mütter und Geschwister insbesondere, Freunde und Untergebene.
Ich umarme Dich und die Jungens in Gedanken als Dein Dir unendlich dankbarer Ulrich-Wilhelm

Aus dem Testament

Ich bestimme femer, daß an der Stelle im Kieslager meines Sartowitzer Forstes, wo die Ermordeten aus dem Spätherbst 1939 ruhen, sobald die Zeitumstände es erlauben, ein sehr hohes Holzkreuz aus Eiche gesetzt wird mit folgender Inschrift:

Hier ruhen 1400-1500 Christen und Juden
 Gott sei ihrer Seele und ihren Mördern gnädig
 

 

 

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Literatur: Du hast mich heimgesucht bei Nacht
Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 -1945
Herausgegeben von Helmut Golwitzer, Käthe Kuhn, Reinhold Schneider