BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

 

LUDWIG  CYRANEK

1909 - 1941

 

Als Mitglied der Glaubensgemeinschaft Zeugen Jehovas weigerte sich Cyranek, an der Gewalt- und Kriegspolitik der national­sozialistischen Regierung teilzunehmen und erlitt am 3. Juli 1941 in Treue zu seinem Glauben den Tod durch Henkershand.

Sein Abschiedsbrief

Gfgb.   1539/40.   Name    Ludwig   Cyranek.   Untersuchungshaftanstalten Dresden, Hauptanstalt Georg - Bähr - Straße 5.

Den 3. Juli 1941

Mein lieber Bruder, liebe Schwägerin, meine lieben Eltern, alle anderen Geschwister mit eingeschlossen! Fürchtet Gott und gebet Ihm die Ehre!
Nunmehr muß ich die für Euch besonders schmerzliche Eröffnung machen, daß bei Ankunft dieses Briefes ich mich nicht mehr in diesem Dasein befinde.
Seid bitte, bitte nicht allzu traurig. Bedenket, daß es für den allmächtigen Gott ein Leichtes ist, mich aus dem Tode zu erwecken. Ja, er vermag alles, und wenn er mich den bittren Kelch trinken läßt, dann hat es auch seinen Zweck.
Ihr wißt, daß es mein Bestreben war, Ihm in meiner Schwachheit zu dienen, und ich bin überzeugt davon, daß Gott mir bis zum Ende beisteht, ich befehle mich in Seine Hände.
Ich scheide von Euch, indem meine Gedanken bei Euch, Ihr Lieben, in den letzten Stunden verweilen. Möge Euch das Herz nicht erschrecken, ja, vielmehr fasset Euch, denn so ist es sicherlich besser für Euch als mich dauernd im Zuchthaus wissend, was eine ständige Sorge für Euch wäre. Und nun will ich Euch, liebe Mutter, lieber Vater, danken für alles Gute, das Ihr mir erwiesen habet.  Ich kann nur einen schwachen Dank stammeln, möge Jehova Euch alles vergelten.   Mein Flehen ist, daß Er Euch bewahren möchte, Sein Segen sei über Euch, denn Sein Segen allein macht reich. . .. ... Es umarmt Euch alle 

Eurer Ludwig

 

 

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Literatur: Du hast mich heimgesucht bei Nacht
Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 -1945
Herausgegeben von Helmut Golwitzer, Käthe Kuhn, Reinhold Schneider