BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

Alfred Frank

1884 - 1945

 

 


 Maler  -  geboren 1884 in Leipzig. - Erstmals 1938 wegen seiner Gegnerschaft  gegen den Nationalsozialismus verhaftet und für ein Jahr gefangen gehalten. Nach der Freilassung nahm er die geheime Tätigkeit sogleich wieder auf und  setzte sie bis zu seiner Verhaftung, 1940, fort, - Am 12. Januar 1945 in Minden hingerichtet.

Meine liebe Gertrud!

Dresden, den 12. Januar 1945

Soeben wurden mir die Fesseln gelöst, um Dir nochmals ein Lebewohl  zu senden. Wir waren alle nochmals zusammen und erwarten heute unser körperliches Ende. Wir sind gefasst und einer so tapfer wie ' der andere.

Ich wollte, Du könntest uns sehen. Die Traurigkeit haben wir in der Zelle gelassen. Hoffentlich  hast Du meinen Brief erhalten, den ich Dir am 5. d. M. geschrieben habe. Ich glaubte, dass ich schon am 4. hinuntergeführt würde, und war deshalb nicht wenig überrascht, als ich in Deinen Armen landete und ich Dich nochmals  an mein Herz drücken konnte.

So vieles hätte ich gern mit Dir besprochen, aber in der Ueberraschung hatte ich keine klaren  Gedanken und habe so vieles vergessen, was ich noch mit Dir besprechen wollte.

Doch ich glaube, dass Du selbst schon alles riechtig  machst. Auch hier geht es Tempo, Tempo, so dass ich nicht auf Einzelheiten  eingehen kann. Deshalb will ich mich kurz fassen. Bleib gesund und halte den Kopf hoch, so wie wir den Kopf noch so lange  hochhalten, bis die Gewalt unseren Nacken niederzwingt.
An alle herzliche Grüsse und ein kräftiges Lebewohl.
Im Geiste bei Dir trotz Hunger.
Dein Alfred
 

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" Und die Flamme soll euch nicht versengen" / 1955 Steinberg Verlag Zürich 1955