BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

 

GUY JACUQUES

21. Mai 1924-29. Februar 1944

 

Der Belgier wurde von den Deutschen erschossen, weil er Deserteuren Hilfe leistete.

 

Lieber Papa und liebe Mamy!

Hier ein zweiter Brief, in dem ich Euch erzähle, wie sich alles zugetragen hat. Wir wurden verraten. Als ich auf die Place Vieuxtemps kam, sah ich mich von Feldgendarmen umringt. Von diesem Augenblick an wußte ich, daß alles zu Ende sei. Auf der Kommandantur hat man mich verhört, man wollte mich zum Sprechen bringen. Ich wurde geschlagen, an einen Tisch angebunden und die Hiebe mit dem Gummiknüppel sausten nieder. Aber nie, wahrhaftig gar nie habe ich jemand angezeigt. Ich hätte meinen Kopf retten können, aber ich zog es vor, nichts zu tun und nichts zu sagen, was mein Vaterland verraten könnte. Du siehst, daß ich, nach all dem, den Mut besitze, der notwendig ist, um sich füsilieren zu lassen. Denn das ist eine Kleinigkeit im Vergleich zu allem, was ich erduldet habe. Mehrere Personen danken es mir, daß ich ihre Namen nicht genannt habe. Und jetzt bin ich stolz auf mich, denn ich habe allem widerstanden und mehrere Leben gerettet. Ich wäre Euch dankbar, wenn Ihr Gilberte von dieser Schilderung Kenntnis gäbet, und auch den Vereinen, denen ich angehörte. Meine Leiche wird auf dem Militärfriedhof in Lüttich bleiben und ich sterbe als echter Belgier. Es lebe Belgien!
Guy Jacques Immer Belgier!
Gestorben für das Vaterland!
Zettel nach dem Tode in den Kleidern des Toten gefunden
Ein letztes Wort an Euch, um Euch zu sagen, daß ich, von meiner Seite, nie jemand verraten oder beschuldigt habe, trotz der zahlreichen Schläge mit dem Gummiknüppel, die ich erhielt, um mich zum Reden zu bringen. Ich hätte meinen Kopf auf mehrere Arten retten können.
Aber ich habe den Erschießungstod dem Verrat vorgezogen, so sterbe ich mit Anstand, und stolz auf mich.
Guy Jacques
 

Guy Jacques Immer Belgier!
Gestorben für das Vaterland!

Zettel nach dem Tode in den Kleidern des Toten gefunden

Ein letztes Wort an Euch, um Euch zu sagen, daß ich, von meiner Seite, nie jemand verraten oder beschuldigt habe, trotz der zahlreichen Schläge mit dem Gummiknüppel, die ich erhielt, um mich zum Reden zu bringen.Ich hätte meinen Kopf auf mehrere Arten retten können.
Aber ich habe den Erschießungstod dem Verrat vorgezogen, so sterbe ich mit Anstand, und stolz auf mich.

Guy Jacques

 

 

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Dies sind nun also  die letzten Zeilen Werner Fuld Krüger Verlag Erschienen im Krüger Verlag, einem Unternehmen des S. Fischer Verlag GmbH 2007