BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

OTTO CARL KIEP


1886 - 1944

Diplomat

 

 



Otto Carl Kiep, geboren am 7. Juli 1886 in Saltcoats, Schottland, trat, dem Beispiel seines Vaters folgend, in den Dienst des Auswärtigen Amtes. Die Weltweite seines politischen Blickes und seine christlichen Glaubensüberzeugungen verhinderten ihn, mit dem Nationalsozialismus gemeinsame Sache zu machen. Als Mitglied des Widerstands wurde er am 16. Januar 1944 verhaftet, von einem Volksgericht am 1. Juli 1944 zum Tode verurteilt und am 26. August 1944 in Plötzensee hingerichtet.
 



Den Beter nur kann Gott erretten
In dieser Zeit der größten Not,
Da alles abzusinken droht,
Sprengt eine Kraft nur unsere Ketten.

Denn das heißt beten: sich in Demut fassen,
Heißt Kräfte sammeln, Maß gewinnen,
Absagen törichtem Beginnen,
Sich höchster Führung überlassen;

Heißt: dieses Ich, das wir vermessen
Zu unsres Dasein Mitte schufen
Auf seinen wahren Stand zu stufen
Und alle Eigensucht vergessen.

Mensch oder Volk, es wird bemessen
Nach diesem Maßstab unser Stand.
Erfaß ihn, teures Vaterland,
Und Rettung wird dir, aller Not Vergessen!

(Vor der Verhaftung niedergeschrieben}


 

 

 

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Literatur: Du hast mich heimgesucht bei Nacht
Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 -1945
Herausgegeben von Helmut Golwitzer, Käthe Kuhn, Reinhold Schneider