BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

ALMA  JOHANNA   KOENIG


1887 - 1942

Schriftstellerin

Einstmals  gefeierte Schriftstellerin und Literaturpreisträgerin der  Stadt Wien, führte sie seit 1938 das Leben einer Geächteten.
Es war ihr nicht vergönnt, die Veröffentlichung ihres Nero -Werkes „Der jugendliche Gott" mitzuerleben. Die fast Sechzigjährige  wurde im Mai 1942 nach dem Osten verschleppt und dürfte in den Gaskammern des KZs Minsk den Tod gefunden haben. Umlärmt von der wortreichen Verzweiflung ihrer Schicksalsgenossen, soll sie für jeden Trost und Ermunterung gefunden haben, als wollte sie jene Worte in die Tat umsetzen, die im „Jugendlichen Gott" Agrippina an Akte richtet und die gleichsam das Hauptstück ihres eigenen Credo bilden: „Man sollte immer so bewußt lieben, so zur Güte beflissen, so bemüht, die ganze Unendlichkeit der Empfindung den  ändern fühlbar zu machen, wie im letzten Augenblick, da Hermes, der Seelenführer, uns antritt."

Die Zeilen, die als letztes Lebenszeichen vor dem Abtransport aus dem Gefängnis zu ihren Freunden gelangten: Ich will versuchen, aufrecht in meine Zukunft zu gehen, die so schwarz  ist wie jenes Tor, in das die trauernden Gestalten des Christinendenkmals in der Augustinerkirche eingehen.
Ich bin glücklich, daß Gott mich mein Golgatha allein durchleiden läßt und daß ich niemandem schade. Denkt an mich nicht anders als an  einen Soldaten, der ins Feld zieht.
Ich fühle Gottes Willen und freudig will ich, daß er geschehe.
Ich grüße alle, die an mich denken.
Ich liebe Euch und danke Euch für alles.
— Ich vertraue auf Gott, der mich wunderbar stärkt.

 

 

 

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Literatur: Du hast mich heimgesucht bei Nacht
Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 -1945
Herausgegeben von Helmut Golwitzer, Käthe Kuhn, Reinhold Schneider