BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

Schwester Magdalena Dominika

Tertiarin   des   III.   Orden   vom   hl.   Dominikus

 

1904 - 1942



 

Schwester Dominica, dem Weltnamen nach Dr. Meirowsky, seit 1940 an der Pforte der Trappistinnenabtei bei Tilburg und leistete  dem Hause als Pförtnerin und Ärztin wertvolle Dienste. Sie wurde ein Opfer der gegen die Deutschen jüdischer Abstammung  geführten Ausrottungspolitik und fand vermutlich in den Gaskammern von Auschwitz ihren Tod.


 

Ihr letzter Brief an ihren Beichtvater in Tilburg lautet:

Transfiguratio, 6. August 1942

Sie wissen wohl, daß wir hier sind und die Verschickung nach Polen abwarten. Morgen Vormittag geht es weiter. Mit mir sind  zwei Trappistinnen und die zwei Patres und ein Laienbruder der Abtei. Sonntag vormittag sind wir alle geholt worden nach Amersfoort ins Camp.
Und Dienstag, dem Fest unseres hl. Vaters Dominikus, nach Westerbork bei Hooghalen geschickt worden.
Ich weiß, guter Pater, daß Sie alles von Herzen mit mir erleben, mit uns allen. Auch Ihr geistliches Kind, Schwester Judith, ist hier ebenso wie die Karmelitin aus Echt.
Eben darum will ich Ihnen einen letzten Gruß senden und Ihnen sagen, daß ich voll Vertrauen und ganz ergeben in Gottes heiligen Willen bin.
Mehr noch: ich betrachte es als eine Gnade und Auserwählung, unter diesen Umständen weg zu müssen und so einzustehen für das Wort unserer Väter und Hirten in Christus. Ist unser Leiden ein wenig größer geworden, dann ist auch die Gnade doppelt groß, und eine herrliche Krone ist uns bereitet im Himmel. Freuen Sie sich mit mir. Ich gehe mit Mut und Vertrauen und Freude - auch die Ordensschwestern, die mit mir sind —, wir dürfen Zeugnis ablegen für Jesus und mit unseren Bischöfen zeugen für die Wahrheit.
Wir gehen als  Kinder unserer Mutter der hl. Kirche, unsere Leiden wollen wir vereinigen mit den Leiden unseres Königs, Erlösers und Bräutigams, es aufopfern für die Bekehrung vieler, für die Juden, für die, die uns verfolgen und so vor allem beitragen für den Frieden und das Reich Christi.
Falls ich es nicht überlebe, werden Sie wohl die Güte haben, später an meine geliebten Eltern und Brüder zu schreiben und ihnen zu sagen, daß das Opfer meines Lebens für sie ist. Übermitteln Sie ihnen allen meine Liebe und Dankbarkeit, und daß ich sie um Verzeihung bitte für alles Verkehrte und das Leid, das ich ihnen vielleicht antat. Erzählen Sie ihnen auch, daß die Schwestern meiner Mutter und die Zwillingsschwester meines Vaters voll Glauben und Vertrauen und Ergebung in die Lager von Polen gegangen sind. . . .
Sagen Sie Pater Stratmann, daß er nicht betrübt sein soll, sondern im Gegenteil Gott mit mir danken soll für die Auserwählung und ein jubelndes Magnificat singen soll. Das Werk, das wir zusammen begonnen haben (sie meint die Friedensarbeit), wird kommen, wann, wo und wie Gott es will, und ich werde auf diese Weise am eifrigsten und besten mitwirken.
Entweder durch mein geringes Leiden — und es ist doch nichts im Vergleich zur Ewigkeit von Glück, die uns erwartet - oder von drüben ihm immer helfen und neben ihm stehen.Und nun von Herzen Dank für alles, was Sie mir je Gutes getan haben, all Ihre barmherzige Nächstenliebe. So oft haben Sie mir Mut gemacht. Nun haben wir nicht einmal die hl. Messe und Kommunion, das ist das Schlimmste. Aber wenn Jesus es nicht will, will ich es auch nicht.
Er wohnt in meinem Herzen und geht mit uns und gibt mir Kraft — Er ist meine Kraft und mein Friede. . . . Möge Maria Sie schützen und Gottes Liebe Sie immer heiligen. Noch einmal bitte ich demütig um Ihr Gebet und Ihren priesterlichen  Segen.

In Jesus und Maria
Ihre Schwester M. Magdalena Dominika

 

 

 

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Literatur: Du hast mich heimgesucht bei Nacht
Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 -1945
Herausgegeben von Helmut Golwitzer, Käthe Kuhn, Reinhold Schneider