BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

ROGER PÉRONNEAU

                                                              1920 -1942

Student. - Geboren am 9 November 1920; zum Tode verurteilt am 23. März 1942;
erschossen zu Mont-Valèrien am 29. Juli 1942 nach elfmonatiger Kerkerhaft


 


Innig geliebte Eltern,
Ich werde sogleich erschossen werden - um die Mittagsstunde, und jetzt ist es 9 ¼.
Das ist eine Mischung von Freude und Erregung.
Verzeiht mir allen Schmerz, den ich Euch bereitet habe, jetzt bereite und noch bereiten werde.
Verzeiht  mir alle wegen des Bösen, das ich getan, wegen des Guten, das ich nicht getan habe.
Mein Testament ist kurz: ich beschwöre Euch, Euren Glauben zu bewahren.
Vor allem: keinen Haß gegen die, die mich erschießen.
»Liebet Euch untereinander!« hat Jesus gesagt, und die Religion, zu der ich zurückgekehrt bin und von der Ihr nicht lassen sollt, ist eine Religion der Liebe.
Ich umarme Euch alle mit allen Fasern meines Herzens.
- Ich nenne keine Namen, denn es gibt deren zu viele, die in mein Herz eingeprägt sind.
Euer Euch innig liebender Sohn, Enkel und Bruder

Roger 

 

 

 

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Literatur: Du hast mich heimgesucht bei Nacht
Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 -1945
Herausgegeben von Helmut Golwitzer, Käthe Kuhn, Reinhold Schneider