BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

FRANZ REINISCH
 

1903- 1942

 

Priester. - Geboren am i. Februar 1903 in Feldkirch-Altenstadt (Tirol). Am 3. November 1928 Eintritt bei den Pallottinern in Untermerzbach. Am 7. Juli 1942 wegen Verweigerung des Fahneneides von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und am 21. August 1942 in Brandenburg-Corden enthauptet. In der Begründung zu seiner Verweigerung des Fahneneides führte er unter anderem aus: »Die gegenwärtige Regierung ist keine gottgewollte Autorität, sondern eine nihilistische Regierung, die ihre Macht nur errungen hat durch Gewalt, Lug und Trug . . . Das NS-Prinzip - Gewalt geht vor Recht - zwingt mich in die Notwehrstellung. Es gibt daher für mich keinen Eid der Treue auf eine solche Regierung.

Abschiedsbrief an die Eltern

14. April 1942

Liebe Eltern!

Noch einmal zum Abschied möchte ich Euch von ganzem Herzen ein aufrichtiges Vergelte Gott sagen, daß ich Mensch werden durfte, um Gott zu ehren und zu verherrlichen, daß ich katholisch getauft und erzogen wurde, um selbst geheimnisvoll in das Leben und Leiden und in die Verherrlichung Christi hineingezogen werden zu können, daß ich endlich die Priestergnade als reines, unverdientes Gnadengeschenk aus den Händen des einzigen, wahren Hohenpriesters durch die Fürbitte der lieben Gottesmutter empfangen durfte, um durch vierzehn Jahre das heilige Opfer feiern und viele Sakramente zum Heile der Seelen spenden zu können.

Dank dem Dreifaltigen Gott, Dank der lieben Gottesmutter. Dank den Engeln und Heiligen, Dank allen geistlichen und materiellen Wohltätern, ob noch lebend oder bereits verstorben.   Endlich will ich gedenken der großen Gnade, zur Gesellschaft der Pallottiner berufen worden zu sein, um vor allem dann mit Schönstatt durch die Dreimal Wunderbare Mutter zu arbeiten an der Ausbreitung des marianischen- Christ -Königreiches auf der ganzen Welt.

So möget Ihr mit mir in ein herrliches und freudiges Magnificat und Tedeum einstimmen, wenn Ihr hört, daß meine Sendung auf dieser Welt zu Ende ist und erst recht im Jenseits zu beginnen anfängt. Mag Schmerz und Freude einklingen in das große Liebesmeer des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Seid nochmals gesegnet von Eurem dankbaren Franz.

Mein Segen gelte auch meinen lieben Geschwistern und ihren Nachkommen und meiner ganzen Heimat Tirol!

 

 

 

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Literatur: Du hast mich heimgesucht bei Nacht
Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 -1945
Herausgegeben von Helmut Golwitzer, Käthe Kuhn, Reinhold Schneider