BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 


VIER OFFIZIERE DES SCHILL'SCHEN FREICORPS



Schill Ferdinand von

hingerichtet am 16. September 1809


Ferdinand von Schill versuchte mit idealistischen Jugendlichen Napoleon aus Deutschland zu vertreiben. Seine Truppen erlitten eine Niederlage. mehr als 300 Soldaten fielen, 543 wurden als gefangenen nach Frankreich deportiert und zu Galeerensträflingen gemacht, 14 wurden in Braunschweig zur Abschreckung erschossen. Elf Offiziere wurden am 16. September hingerichtet.Dazu gehört Carl von Keffenbrink und die drei Offiziere, deren Abschiedsbriefe überliefert wurde.

I


An seine Schwester Friederike

Es ist das Schicksal der Welt, daß so viel Ungerechtigkeit gemacht wird, denn ich bin noch mit 10 meiner Kameraden zum Tode verurteilt. Gott weiß, daß ich unschuldig bin, und in dieser Hoffnung sterbe ich auch mit frohem Mut. Gott erhalte unsere Mutter. Ich schreibe Dir dieses, damit Du es ihr mit der Zeit sagen kannst. Sei nicht mißvergnügt; denn in einer bessern Welt sehen wir uns wieder. Tröste meine gute Mutter in diesem Unglück. Ich kann Dir weiter nichts sagen; mein Herz fühlet desto mehr.
Grüße meinen Bruder und sage ihm, er soll den Soldatenstand bis in den Tod hassen und meine Mutter in der Wirtschaft unterstützen. Er soll sich ein Beispiel an mir nehmen. Leb wohl und vergiß nicht Deinen Dich auch noch im Tode liebenden Bruder Keffenbrink.
In ein paar Stunden bin ich nicht mehr. Behalte die Ohrringe zum ewigen Gedenken. Dem Fräulein Friederike von Keffenbrink zu Öbelitz in Schwedisch Pommern bei Stralsund.

Wenn Du Mutter es gesagt hast, so laß sie diese wenigen Zeilen lesen.

II

Liebe Mutter!

Bald wirst Du mir in jene Welt folgen, da werden wir uns froh wiedersehen. Ich bin nicht an dem Unglück schuld; denn ich mußte folgen; aber in jener Welt soll uns nichts voneinander trennen.
Ich gehe mit Mut dem Tod entgegen und scheue ihn nicht; denn ich gehe mit gutem Bewußtsein zu Gott hinüber.
Adieu liebe Mutter.
Sei versichert, daß ich auch im Tode noch Dein Dich liebender Sohn bin.

Carl von Keffenbrink

III

CONSTANTIN VON GABEIN

Lieber Vater!

Verzeihen Sie mir die Unbesonnenheit, die mich ohne meine Schuld in den Tod führt. Gott tröste Sie und denken Sie zuweilen an Ihren Sie liebenden Sohn. Tausend Dank für Ihre große Güte, und hoffen Sie, daß Sie mich in jener Welt wiedersehen.
Leben Sie wohl und trösten Sie meine Mutter.

Ihr bis an sein Ende gehorsamer Sohn

Constantin

IV


Carl und Albrecht von Wedell

An Herrn von Werder- Brettin

Guter lieber Werder,

wenn Du diese Zeilen erhälst, sind wir nicht mehr, soeben ist uns das Todesurteil verlesen worden. Daß noch nie jemand unschuldiger gestorben ist, wißt Ihr so gut als wir.

Lebt wohl

Carl und Albert von Wedeil

Mit Wehmut schreibe ich meinen Namen.
Verflucht ist unser Schicksal, aber tröstet Euch.

V


Wesel, den 16. September 1809

Tröstet unsere Verwandten, wir sehen unsere Eltern wieder und sterben gefaßt. Unter meinen Papieren findet Ihr das Verzeichnis meiner Schulden, diese müssen bezahlt werden und ebenso Albert seine in Göthen.

Grüßt Alles.
Carl.

Ich überschicke Dir hiermit die Haare und Ringe der Ph., mach damit was Du für gut halst, wir schicken auch beiderseits Haar von uns.

Albert.


 

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Dies sind nun also die letzten Zeilen Werner Fuld Krüger Verlag Erschienen im Krüger Verlag, einem Unternehmen des S. Fischer