BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

ELFRIEDE SCHOLZ, GEB. REMARK
25. März 1903 - 19. Dezember 1943

 

 

Zwei Dinge wurden ihr zum Verhängnis: Ihr Mut zur Wahrheit und die Tatsache, dass sie die Schwester des wegen seines illusionslosen Frontromans Im Westen nichts Neues von den Nazis gehassten Erich Maria Remarque war.

Als seine Bücher im Mai 1933 auf dem Scheiterhaufen vor der Berliner Universität landeten, lebte er schon nicht mehr in Deutschland. Zehn Jahre später war die Gelegenheit zur Rache gekommen, als der berühmte Name in einem Polizeiprotokoll auftauchte.
»Ihr Bruder ist uns leider entwischt, Sie aber werden uns nicht entwischen«, sagte Roland Freissler, der Präsident des Volksgerichtshofes zu Elfriede Scholz, die wegen »Wehrkraftzersetzung« angeklagt war.

Sie hatte angeblich gesagt, dass Hitler den Krieg nicht gewinnen kann und sie ihn am liebsten selbst erschießen würde, um das deutsche Volk von ihm zu befreien. In dem einstündigen Prozess gab sie zu, Hitler kritisiert zu haben, leugnete aber die Mordabsicht. Sie wurde zum Tode verurteilt »als schamlose Verräterin an ihrem eigenen, unserem deutschen Blut, an unserer Front, an unserem Leben als Volk«. Im Nachsatz des Urteils hieß es: »Weil Frau Elfriede Scholz verurteilt ist, muß sie auch die Kosten tragen.« Die Gebühr für die durch das Beil vollstreckte Todesstrafe belief sich auf 422,18 Mark, das ebenfalls in Rechnung gestellte Porto für die Übersendung der Kostenrechnung betrug 12 Pfennige.-


 

Elfriede Scholz an ihre Schwester Erna

den 16. 12.43 Liebe Erna!

Jetzt bin ich zum 2ten Mal in Plötzensee und heute Mittag um 1 Uhr bin ich nicht mehr. Alles was ich hinterlasse gehört Dir. Auch die Lebensversicherung. Heinz hat es wohl doch nicht verdient daß ich noch lieb an ihn denke. Aber ich verzeihe ihm alles ihm und allen anderen. Dir und Ludwig und den Eltern einen letzten lieben Gruß.
 

Eure Elfriede.

 

 

 

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Literatur: Du hast mich heimgesucht bei Nacht
Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 -1945
Herausgegeben von Helmut Golwitzer, Käthe Kuhn, Reinhold Schneider