BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

Gertrud Seele

1917 - 1945

 

 


27 jahre alt - Krankenpflegerin und Sozialgehilfin - geboren am 22. September 1917. Als Gegnerin der Rassen Verfolgungen verbarg sie mehrere Juden in ihrem Haus. –

Nachdem sie mit ihrem Töchterchen in die Lausitz ausquartiert worden war, wurde sie angezeigt und am 24. Januar 1944 verhaftet –
In das Gefängnis in Frankfurt der a. d. Oder und von hier nach Potsdam verbracht, wo sie vom Volksgerichtshof abgeurteilt, in das Frauengefängnis an der Barnimstrasse (Berlin) und nachher in das Gefängnis in Berlin-Plötzensee eingeliefert wurde. - Am 12.Januar r 1945 in Berlin - lötzensee hingerichtet.

 

22. September 1917 — 12, Januar 194)
Meine liebe kleine Tochter Michaela!


Heute muss Deine Mutti durch . .. sterben. Ich habe nun eine grosse Bitte an Dich, kleines Dirndlein, Du musst ein braver und tüchtiger Mensch werden und den Grosseltern viel Freude machen. Dein Vater ist. . ., geboren am 5. März 1907 in Leipzig. Durch die Grosseltern wirst Du alles Nähere erfahren. Ich gebe Dir alle lieben Wünsche mit auf Deinen Lebensweg und möchte Dich bitten, mich immer lieb zu behalten und mich nie zu vergessen. Ich weine innerlich heisse  Tränen um Dich und die Eltern, sei immer lieb zu ihnen und mache ihnen recht viel Freude, indem Du ein tüchtiger und aufrechter Mensch wirst.

Lebewohl, geliebtes kleines Töchterchen, in Gedanken umarme und küsse ich Dich.
Deine verzweifelte Mutti
 

 

 

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" Und die Flamme soll euch nicht versengen" / 1955 Steinberg Verlag Zürich 1955