BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

Statz Leo

1898 - 1943

Fabrikant

Leo Statz, geboren am 17. Juli 1898 in Köln, war der echtbürtige Sohn des katholischen Rheinlands. Aus einem reichen und frohen, durch Gottvertrauen und durch Liebe zum Vaterland und zu den Seinen beglückten Leben riß ihn die Niedertracht eines Denunzianten und schleppte ihn vor das Blutgericht Roland Freislers.
Er wurde am 27. September 1943 wegen „Wehrkraftzersetzung" zum Tode verurteilt und am 1. November 1943 in Brandenburg hingerichtet.

Seine letzten Worte

15. Oktober 1943 Brandenburg,  Todeszelle 2

Schaffe mir Recht, Herr, hör' wie ich flehe,
Trenne nicht meine glückliche Ehe.
Weißt, wie ich liebe, hänge am Leben,
Hast mir selber die Liebe gegeben.
Reiß' nicht gewaltsam den Vater vom Sohne,
Einmal die Liebe durch Gnade belohne,
Einmal nur Gnade und Wahrheit bescheide
— Herrgott, Du siehst, wie ich kämpfe und leide.
Einmal laß' jetzt Deine Allmacht walten,
Dankbar will ich die Hände falten,
Dich noch inniger lieben und ehren.
Kannst Du mir dieses Flehen verwehren?
Aber ich weiß, wie Deine Gerichte
Unbegreiflich oft führen zum Lichte,

Wie Du leitest auf göttlichen Wegen
Alles unfaßbar zum menschlichen Segen.
Göttliche Weisheit, wie ich auch flehe,
Fordere und bitte - „Dein Wille geschehe

 

 

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Literatur: Du hast mich heimgesucht bei Nacht
Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 -1945
Herausgegeben von Helmut Golwitzer, Käthe Kuhn, Reinhold Schneider