BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

CLAUS GRAF SCHENK VON STAUFFENBERG
 

1907 - 1944


Oberst

Geboren am 15. November 1907 in Lautlingen /Württemberg. Erschossen am 20. Juli 1944 in Berlin.
Die von Freunden und Mitverschworenen gemeinsam geplante Tat wurde von Stauffenberg vollbracht.
Als sein Versuch, Deutschland von Hitler zu befreien, mißlungen war, starb er mit den Worten:
„Es lebe unser heiliges Deutschland"

 

 

 

CLAUS

Der morgendlichen sonne glänz verkündet
Den jahrtag, da du handeltest und starbst
Und den getreuen, die sich dir verbündet,
Und dir der toten tatenruhm erwarbst.

Des hohen feldherrn-ahnen blut entbrannte
Erneut in deinen ädern. Ob der zeit Aufschwellendem
gespenst ein gott entsandte Dich, fackelträger in die dunkelheit?

Dein und der höchsten zeugen genien hießen
Vor tiefster Schmach erstickendem verfall
In neue makellose form dich gießen
Des Vaterlands geschmolzenes metall

Und der Verführung trugbild niederschmettern:
Wuchernder wildnis wimmelndes geschmeiS,
Und heitere meeresstille nach den wettern
Und fülle bringen, lichtbeglänzt und heiß.

Du wußtest wohl: wo feindlicher dämonen
Entgegenwirken das gelingen beugt,
Daß derer, die im stand der gnade wohnen,
Hingang ein rettendes geheimnis zeugt . . .

Zu mond und jähr ward tag und nacht gerundet:
Da lauscht dem Widerhall entbundenen klangs,
Dem morgendlicher sonnenglanz verkündet
Das Jahresopfer deines Untergangs.

Dein allbeglänzend lächeln, das dem prangen
Der freude, die von anfang war, entstammt,
Ist in den brand des gottes eingegangen
Und alles, was erglüht und strahlt und flammt.

Alexander Graf Schenk von Stauffenberg

 

 

 

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Literatur: Du hast mich heimgesucht bei Nacht
Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 -1945
Herausgegeben von Helmut Golwitzer, Käthe Kuhn, Reinhold Schneider