BRIEFE

 

 

K. Kolwitz Abschied und Tod 1923

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

 

UNZEITIG ENGELMAR

1911 -1945

15 Dezember 1941  schrieb er an seine Familie

.. „Was vielleicht manchmal als Unglück erscheint, ist oft das größte Glück. Wie vieles lernt der Mensch erst durch die Erfahrung in der Schule des Lebens. Wir sollen wohl die Friedlosigkeit in der Welt für die anderen mitfühlen und miterleben und ihnen zum wahren Frieden verhelfen. Dann wundert es uns nicht, wenn Gott uns manches aus der Hand nimmt, was uns lieb und teuer war. Doch was geht über das Glück, Gott selbst in unserem Herzen zu wissen, der ja die Quelle aller Seligkeit und allen Friedens ist."

II

 

In einem Brief an seine Schwester Adelhilde, vermutlich vom 9. Juli 1944, schrieb Pater Engelmar:


Meine liebe Schwester!


Auch ich freute mich sehr, als ich nach langer Zeit von Dir wieder ein Lebenszeichen erhielt. Viel Schuld daran tragen vielleicht auch die gestörten Verkehrsverhältnisse. All das nimmt uns aber nicht die Gelassenheit, da wir uns alle in Gottes Hand wohl geborgen fühlen, wie der hl. Paulus sagt: ,Wir mögen leben oder sterben, wir sind des Herrn.' All unser Tun, unser Wollen und Können, was ist es anderes als seine Gnade, die uns trägt und leitet. Seine allmächtige Gnade hilft uns über die Schwierigkeiten hinweg, ja, wie die heilige Felizitas sagte, " leidet der Heiland selbst in uns und ringt zusammen mit unserem guten Willen um den Triumph seiner Gnade".

 So können wir seine Ehre mehren, wenn wir seiner Gnadenkraft kein Hindernis entgegensetzen und uns restlos an seinen Willen hingeben. Liebe verdoppelt die Kräfte, sie macht erfinderisch, macht innerlich frei und froh. Es ist wirklich „in keines Menschen Herz gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben". Freilich trifft auch sie die raue Diesseitswirklichkeit mit all dem Hasten und Jagen und mit dem ungestümen Wünschen und Fordern, mit ihrer Zwietracht und mit ihrem Hass wie ein beißender Frost, aber die Strahlen der wärmenden Sonne der Liebe des allgütigen Vaters sind doch stärker und werden triumphieren, denn unsterblich ist das Gute und der Sieg muss Gottes bleiben, wenn es uns auch manchmal nutzlos erscheint, die Liebe zu verbreiten in der Welt. Aber man sieht doch immer wieder, dass das Menschenherz auf Liebe abgestimmt ist und dass ihrer Macht auf Dauer nichts widerstehen kann, wenn sie nur wirklich auf Gott und nicht auf die Geschöpfe gründet. Wir wollen weiter alles tun und aufopfern, dass Liebe und Friede bald wieder herrschen mögen. [...]

Deiner stets im Gebet gedenkend grüßt Dich herzlichst

Hubert


 

 

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Mit gefesselten Händen Kurzporträts und Briefe von Verfolgten des NS - Regimes
Verlag Neue Stadt München 2017