Der letzte Brief

 

Briefe berühmter Menschen

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht:
Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.

Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos – werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu
entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die
Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 




ANDREAS HOFER

22. November 1767-20. Februar 1810


 


Der einfache Gastwirt leistete gegen Napoleons Truppen widerstand. Nachdem er von einem Landsmann verraten worden war, nahmen ihn die italienischen Soldaten fest und stellten vor ein Kriegsgericht. Auf Befehl Napoleons wurde er zum Tode durch Erschießen verurteilt. Auf dem Exekutionsplatz weigerte er sich eine Augenbinde und niederknien.
Seine Leiche wurde in der Hofkirche beigesetzt.



Liebster Herr Prueder,

der göttliche willen ist es gewössen, daß ich habe mies-sen hier in Mandua mein zeitliches mit den Ebigen verwöxeln, aber Gott sei danckh um seine gödliche gnad, mir ist so leicht vorgeckohmen, als wan ich zu waß andern ausgefihrt würd. Gott wirth mir auch die gnad verleihen wiß in lösten augen Plick, auf das ich khomen thoe, albo sich mein sehl mit alle außerwöhlte sich Ebig Ehrfreien mag, alwo ich auch fir alle mitten werde bei Gott, absonderlich fir wölliche ich am meresten zu Bitten schuldig bin, Und fir sie und iere Frau liebst, wögen den Piechcl, Und andere guet Datten, auch alle hier noch lebenden guete Freind sollen fir mich Bitten, Und mir aus die heißen flammen helfen, wan ich noch in fegfeir pießen muß. Die Gottes Dienst soll die liebste mein, oder Wirthin zu sanct Marthin halten lassen beim Rosenfarben Pluet, Pitten in pede Pfarren, den freinten bein Unter - Wirth ist suppe und Fleisch zu göben lassen nebst Einder halben Wein. Lieber Herr Piehler. gien sie mir hinnin, Und bein lUnterwirth zu sanct Marthin zeigen sie die sache an, er wird schon angestald machen, Und machen sie sonst niemand nicht khomper von dieser sache. Von der Welt lebet alle wohl, wiß wir in Himel zam khommen, Und Gott loben bis an Ent. Alle Passeyrer und Bekhante sollen mir Eingedenkcht sein in heiligen Gebeth. Und die Wirthin solle sich nicht so bekhimeren, ich werde Piden bei Gott fir sie Alle. Adee meine schneede Welt, so leicht khombt mir das sterben for, das mir nit die Augen naß werden. Geschrieben um 5 Uer in der Frue, Und um 9 Uer Reiß ich mit der hilf aller heillig zu Gott.

Mandua den 20. Februari 1810.

Dein in Leben geliebter Andree Hofer vom sant inPasseyer in Namen des Herrn Wille ich auch die Reisse fornemmen mit Gott.






 

 

 



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Dies sind nun also die letzten Zeilen Werner Fuld Krüger Verlag Erschienen im Krüger Verlag, einem Unternehmen des S. Fischer Verlag GmbH 2007