BRIEFE

 

 

E

Epistel of St Paul with Gloss
c.1150/Oxford

 

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

 

Hardenberg Friedrich von ( Novalis)

3. Mai 1772 - 25. März 1801

 

Von der letzten Lebenszeit des Novalis sprechen, heißt das hinschwinden eines hohen, ganz reinen Seins berühren. Schon bei dem 23 jährigen zeigen sich Spuren der Lungenkrankheit, die der Familie Hardenberg vor diesem Sohn vier Kinder entrissen hatte.

Im Jahre 1800 - als sich sein Leben mit dem Bündnis mit der seinen Julie von Charpentier endlich ruhig zu gestalten scheint – überfällt ihn die Erbkrankheit mit allen Zeichen  nahen Endes. Friedrich Schlegel ist Zeuge dieses heiligen Sterbens. Unter den Klängen einer Musik, die er von seinem Bruder erbeten hatte, schläft Novalis ein.

„ Es ist gewiß,“ schreibt Friedrich Schlegel, „ daß er keine Ahnduch von seinem Tode hatte.“

 

 

Weißenfels: den 1. ten Februar 1801.

Sonntag

Nach einer langen Pause wieder ein freundlich Wörtchen. Die  Zwischenzeit war der Mittheilung nicht günstig. Erst jetzt scheint es mir wieder vorwärts zu gehen. Die Milch scheint mir gut zu bekommen, deren alleiniger Genuß jetzt meine Kur ausmacht.
Mein Vater holte mich von Dresden ab, welchen Aufenthalt ich sehr gern verließ. Ich bedurfte Ruhe, und Julie auch, die mit herreißte und bey mir bleibet.
Ich habe in Dresden viel lehrreiche Erfahrungen gemacht. Mit dem Schreiben geht's noch schlecht, aber Lesen, Denken und Theilnehmen kann ich wieder etwas.
Grüßen Sie Ihre Frau und Nichte herzlich. Ich freue mich erstaunend, Sie zu sehen, was doch auf die Messe geschieht. Behalten Sie mich alle recht lieb und denken Sie oft an

Ihren Sie innigst liebenden Freund
Friedrich von Hardenberg.

 

 

 

 

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Dies sind nun also die letzten Zeilen/ Die letzten Briefe großer Persönlichkeiten/Kröger Verlag 2007