BRIEFE

 

 

E

Epistel of St Paul with Gloss
c.1150/Oxford

 

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 


Hebel Friedrich

1813 - 1863



 


Das Jahr seines fünfzigsten Geburtstags brachte ihm den größten Erfolg und den Tod. Bewegungsunfähig lag er im Bett, als er Nachmittag des 12 Dezember die Nähe des Todes fühlte. Er fragte den Arzt mit einem bedeutungsvollen Blick, wann die Besserung eintreten werde. Der Arzt antwortete ruhig : " Morgen." Hebbel wiederholte erleichtert " Also morgen" und verstarb um 5 Uhr 40 des folgenden Tages.

** Vier Wochen vor dem Tode weiß Hebbel die Verleihung des Schillerpreises für die " Nibelungen." Bald fehlt uns der Wein, bald der Becher" -ruft er mit bitterm Lächeln aus.
Doch flammt zwischen schmerzvollen Stunden und Lebenslust aus ihm. Bis ihn am Nachmittag am 12. Dezember die tödliche Schwäche überfällt.

" Wann wird mir besser werden?" fragt er den Arzt um 11Uhr nachts." Morgen" - Darauf mit tiefem Blick: " Also Morgen" -

Um 5 Uhr 40 Minuten in der Frühe starb Friedrich Hebbel. Er wünschte "keine Todesanzeige, keine Trauerzettel, kein Leichengefolge und keine Rede am Grabe.




An Adolf Scholl in Weimar

Lieber Schöll!

Aus der Verspätung meiner Antwort hast Du schon auf den Grund geschlossen. Jawohl, ich bin nicht bloß aus der freien Luft ins Zimmer gebannt, sondern auch aus dem Zimmer ins Bett, und liege bereits sechs Wochen. Ich muß mich daher der Hand meiner Tochter bedienen, um Dir Auskunft zu geben.

Auf das hiesige Burgtheater wirkt der Hofrat Baron von Münch-Bellinghausen, Dir als Dichter wohlbekannt, am entschiedensten ein, wenn er es auch nicht Wort haben will, und wer ihm empfohlen ist, dürfte in diesen Dingen besser empfohlen seyn, als wenn er es an den Kaiser selbst wäre.

Mit den herzlichsten Grüßen Dein

Friedrich Hebbel

Wien, den 1. Dezember 1863.




 

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Dies sind nun also die letzten Zeilen Werner Fuld Krüger Verlag Erschienen im Krüger Verlag, einem Unternehmen des S. Fischer Verlag GmbH 2007
**Ilse Linden/ Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag Berlin 1919