BRIEFE

 

 

E

Epistel of St Paul with Gloss
c.1150/Oxford

 

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 


THEODOR KÖRNER

 1791 - 1813


 




Begeistert hatte sich der junge Dichter gegen den Willen seines Vaters zu Lützows Freikorps gemeldet, um die Franzosen zu vertreiben: »So Gott will, wollen wir als deutsches Volk das edle Hamburg befreien mit unserem Blut ...« Er ließ seine Wiener Verlobte und einen Vertrag als Dichter des Burgtheaters hinter sich. Sein Ziel erreichte er nicht; drei Tage nach seinem letzten Brief an seinen Verleger traf ihn eine tödliche Kugel. Seine Kriegslieder, entstanden aus dem unmittelbaren Erleben der Kämpfe (»Lützows wilde Jagd«), gehörten im 19. Jahrhundert zum patriotischen Bildungsgut.

 Theodor Körner ist verlobt mit einer reizvollen Schauspielerin( Antonie Adamberger9; hat einen Vertrag am Burgtheater - als Hoftheater -Dichter.

Da kommt der Ruf des Vaterlandes. Er, der so vie zu verlieren hat, zögert keinen Augenblick. In hingerissener Stimmung schreibt er jenes berühmte Dokument an seinen Vater, in dem er seinen Entschluß , dem Ruf zu folgen, in hohen Worten kündet. Am Abend des 24. August dichtet der Lützower Leutnant das " Schwertlied". Wenige Stunden später trifft ihn ein Schuß. Er hatte sein 22 Jahr noch nicht vollendet.



Ratzeburg, am 18. August 1813

In aller Eile ein paar Worte von Ihrem Freunde. Ich bin wieder bei Corps, von allen mit der herzlichen Liebe empfangen; so eben marschieren wir, in drey Tagen erwarten wir die Todeshochzeit. Leben Sie wohl mit allem, was mir zugetan ist. So Gott will, wollen wir als deutsche Volk das edle Hamburg befreien mit unserm Blute, das unsre Fürsten mit ihrer Nichtswürdigkeit geopfert haben. Tausend Dank für ihre lieben Briefe, und für die lieben, lieben Andenken an Sie beiden Genies meines Lebens.



An Daniel Friedrich Parthey

Kirch-Jesar, am 23. August (1813).
Liebster Hofrath!

Ich lebe noch; seit dem Siebzehnten schlagen wir alle Tage. Die Truppen haben sich concentrirt; ich erwarte in diesen Tagen einen Hauptschlag. Das Bivouacq hindert mich am längern Schreiben. Tausend Grüße an alle. Meinen Eltern Nachricht, so es möglich; den Brief bitte ich zu besorgen. Gott mit euch und uns!



 

 

 

 

 

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Dies sind nun also die letzten Zeilen/ Die letzten Briefe großer Persönlichkeiten/Kröger Verlag 2007