1.Hartleben Otto Erich
 1864 -1905
Berlin 1905 S. Fischer Verlag
Meine Verse
Epistel

 

 


2. Gött Emil 1864 - 1908
Gesammelte Werke Erster Band herausgegeben von Roman Woerner Fünfte Auflage
C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung München 1910
Liebesbrief

 

 

3.Flaischlen Cäsar
 1864 – 1920
Gesammelte Dichtung
erster Band Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart und Berlin
Briefblatt


 



 

 

 

 

 

 

 

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Der letzte Brief

 

Briefe berühmter Menschen

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht:
Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.

Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos – werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu
entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die
Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919


kalligraphie

LYRISCHE BRIEFE

 

1. HARTLEBEN OTTO ERICH 1864 -1905

 


Epistel
 

Des Meeres gang ist höher heut und lauter auch!
Wohl dem, der hinter Wällen seines Lebens Arbeit fand
und sicher steht, gefestet auf ererbtem Grund.
Durch reichen Boden, den das Meer vordem genährt,
auf seinem Boden schreitet er und lenkt den Pflug
in graden Bahn und wendet ihn getrost am Ziel.
Dann rastet er – und lässt die Blicke schweifen rings,
und sieht um sich in Ruhe wachsen seiner Hände Werk.
Nur manchmal horcht er wohl hinüber nach dem weiten Meer,
wann’ s einmal ungestümer donnert an den festen Damm,
und denkt des Freundes – der auf wilden Fluthen Spiel
sein Los erkor und seines Willens Güter fand . . .
 

II

2. GÖTT EMIL 


Liebesbrief

Du, wirf dich nur in den wirbelnden Strom des Lebens. Sehe, wenn du nicht versinkst oder verschwemmt wirst, wirst du an dieser Brust landen – ich harre dein! Oder wirf dich mit rauschenden Flügeln in die Lüfte und Lüste – sehe, wenn du unzerschmettert wieder anlangst, von Enttäuschung zu Enttäuschung – ich stehe da mit ausgebreiteten Armen, dich aufzufangen. Nichts Menschliches bleibe dir fremd, auf dass ich dir traut werde. Auf den Besitz einer Blinden, oder Betäubten, oder Nichtaussichherausgekommenen gebe ich nichts. Von allem, was du träumst, musst du erwacht, von allem, was du begehrst, zurückgekommen sein – zu mir! Zu mir allein!
Denn! - - nicht deine Erstlinge – deine Letztlinge müssen köstlich sein, die Letztlinge von allem!
 

III

 

3. FLAISCHLEN CÄSAR  1864 – 1920



Briefblatt


Es lohnt sich nicht, die Welt erlösen zu wollen!
…. Weiß Gott! Es lohnt sich nicht … und dann ..
dann mag ich die Narrenkappe nicht, die dazu nötig
und auch das Schellenklappern passt mir nicht …
Still im grünen Wald will ich gehen, still am
weißen Strande will ich sitzen und auf Sonne, Wind und
Welle lauschen und den Wolken zusehn,
die am Himmel spielen … und die Märchen,
die sie mir erzählen, will ich nur den Kindern bringen,
die da drüben in den Dünen und im weißen Sand
sich tummeln und vielleicht noch ein paar Großen,
die gleich ihnen und gleich mir still am Strande
spielen können und auf Wind und Welle lauschen
kinderselig, sonnenfroh!

 

 

IV