BRIEFE

 

 

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 


Ludwig van Beethoven


 1770 - 1827


 


Plaudite, amici, finita est comoedia" -ruft beethoven nach der letzten ärztlichen Beratung.
Dem Doktor Wawrach bleibt das Schwere, dem tauben Künstler schriftlich zu sagen: er solle sich mit den Sterbesakramenten versehen lassen.

Unerhört ruhig ist die Antwort: der Pfarrer möge kommen. - Der nächste Tag bringt eine Sendung Wein aus Mainz. Schindler stellt alle Flaschen auf den Tisch vor dem Bett.
" Schade, schade, zu spät - Beethoven letzte Worte!
Zwei Tage dauert dauert der dunkle Kampf.

Am 26. März -5 Uhr nachmittags - steht das Gewitter über Wien. -
" Ein von heftigem Donnerschlag begleiteter Blitz, erzählt Anselm Hüttenbrenner, erleuchtete grell das Sterbezimmer. Nach diesem Naturereignis öffnete Beethoven die Augen, erhob die rechte Hand und blickte mit geballter Faust mehrere Sekunden lang in die Höhe mit sehr ernster, drohender Miene.... Als er die erhobene Hand wieder aufs Bett niedersinken ließ, schlossen sich die Augen zur Hälfte.... Kein Atemzug, kein Herzschlag mehr! .... Des großen Tonmeisters Genius entfloh aus dieser Trugwelt ins Reich der Wahrheit.



An Ignaz Moscheles

Wien, 18. März 1827.



Mit welchen Gefühlen ich Ihren Brief vom 1. März durchgelesen, kann ich gar nicht mit Worten schildern. Dieser Edelmuth der philharmonischen Gesellschaft, mit welchem man beinahe meiner Bitte zuvorkam, hat mich bis in das Innerste meiner Seele gerührt. Ich ersuche Sie daher, lieber Moscheles, das Organ zu sein, durch welches ich meinen innigsten Dank für die besondere Theilnahme und Unterstützung an die philharmonischen gelangen lasse. [ Sagen Sie diesen würdigen Männern, dass, wenn mir Gott meine Gesundheit wieder wird geschenkt haben, ich mein Dankgefühl auch durch Werke werde zu realisieren trachten und daher der Gesellschaft die Wahl überlasse, was ich für Sie schreiben soll.
Eine ganz skizzierte Symphonie liegt in meinem Pulte, ebenso eine neue Ouvertüre oder auch etwas anderes. Rücksichtlich der Akademie, die die philharmonische Gesellschaft für mich zu geben beschlossen hat, bitte ich die Gesellschaft, ja dies Vorhaben nicht aufzugeben. Kurz alles, was die Gesellschaft nur wünscht, werde ich mich zu erfüllen bestreben, und noch nie bin ich mit solcher Liebe an ein Werk gegangen, als es hier der Fall sein wird.
Möge mir der Himmel nur recht bald wieder meine Gesundheit schenken, und ich werde den edelmütigen Engländern zeigen, wie sehr ich ihre Theilnahme an meinem traurigen Schicksale zu würdigen weiß]

Ich fand mich genöthigt, sogleich die ganze Summe von tausend Gulden K. M. in Empfang zu nehmen, indem ich gerade in der unangenehmen Lage war, Geld Aufzunehmen. – Ihr edles Benehmen wir mir unvergesslich bleiben, sowie ich noch insbesondere Sir Smart und Herrn Stumpff meinen Dank nächstens nachtragen werde. Die metronomisierte neunte Sinfonie bitte ich der philharmonischen Gesellschaft zu übergeben.
Hier liegt die Bezeichnung bei.



Ihr Sie hochschätzender Freund
Beethoven.

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Für Dr. Bach.

Mein Vetter Carl soll Alleinerbe sein. Das Kapital meines Nachlasses soll jedoch seinen natürlichen oder testamentarischen Erben zufallen.
Wien, den 23. März 1827.

Ludwig van Beethoven
 

 

 

 

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Ludwig von Beethovens sämtliche Briefe und Aufzeichnungen hergegeb. Und erläutert von Fritz Prelinger
Wien und Leipzig 1907 II Band C. W. Stern
Ilse  Linde/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe Herausgegeben von Ilse Linsen Erschienen bei Osterheld & Co Verlag Berlin 1919