BRIEFE

 

 

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 


 

MENDELSSOHN BARTHOLDY FELIX 

1809 - 1847

 

An Doctor Martin in Frankfurt a. M.*

Interlaken d. 26 . August 1847.

 

Lieber Herr Doctor!

 

Sie haben mir durch Ihren freundlichen Brief so viel Freude gemacht, daß ich meinen Dank dafür nicht verschieben will bis ich Sie in Frankfurt wieder sehe, obwohl dies so Gott will recht bald geschieht.

Ich wollte Ihnen gern gleich sagen, wie Dankbar ich Ihnen dafür bin daß Sie auf meine Mitwirkung zu Ihrem Sängerfeste Werth legen und wie ich mir gewiß alle Mühe geben will Ihrer freundlichen Aufforderung zu entsprechen und mit einer Composition für Männerstimmen bei dem Feste mich zu betheidigen. Die größte Schwierigkeit haben Sie aus dem Wege geräumt, in dem Sie sagen daß mir hinsichtlich des Umfangs ( also der Länge) einer solchen Composition freie Hand gelassen werden solle, währen ich den Brief des Comitès so verstanden hatte , als sei es ein größeres, wenigstens einen Concert – Theil ganz ausfüllendes Stück, welches man zu haben wünschte. Doch sind auch noch manche andre Hindernisse, welche zumal bei meiner jetzigen Stimmung einer festen Zusage  im Wege standen und noch stehen, und daher ist mir’s auch heut noch nicht möglich mich bestimmter zu äußern. Lassen Sie uns bei meiner Ankunft in Frankfurt ( die spätestens in 14 Tagen bis 3 Wochen beabsichtige) die Sache mündlich besprechen und sagen Sie dem Comitè bis dahin weder von Ihrem Briefe noch von dieser Antwort. Daß ich einer Aufforderung wie der Ihrigen mit wahrer Freude entsprechen werde  wenn ich es irgend möglich machen kann und daß ich daher auch hoffe unsere Unterredung mit einer Zusage schließen zu können, glauben Sie mir gewiß. Aber auch wenn mir das unmögliche werden sollte, so zweifeln Sie nicht an dem guten Willen, den ich dazu habe und an der herzlichsten Dankbarkeit für Ihre  freundlichen Zeilen und Ihr dauerndes Wohlwollen Ihres sehr ergebensten und hochachtungsvollen

Felix Mendelssohn – Bartholdy

 

Kurze Zeit nachher, am 4 November 1847 , war der edle Meister tod.

 

 

 




 

 

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* Nach dem Autograph im Besitz des Herrn Adressaten in Frankfurt

Musiker - Briefe Eine Sammlung Briefe nach den originalen veröffentlicht von Ludwig Nohl / Proffesor für Musikgeschichte und Aesthetik an der Universität München
Leipzig Verlag von Duncker und Humblot 1867