BRIEFE

 

 

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 


 

MOZART WOLFGANG AMADEUS

 1756 -  1791

 

Der letzte Brief des Fünfunddreißigjährigen, geschrieben an seine Frau Constanze drei Wochen vor dem plötzlichen Ende, lässt keinerlei Rückschlüsse auf die Umstände seines Todes zu. Viel wurde darüber spekuliert, ob Mozart ermordet wurde, vielleicht von den Freimaurern, vielleicht von seinem Kollegen Salieri. Und gab es einen Zusammenhang zwischen seinem Tod und dem unbekannten Auftraggeber des Requiem? Solche haltlosen Vermutungen haben den Tod des jungen Genies mit einer Aura des Mysteriösen umgeben, die seinem Leben gänzlich fehlte.
 


An seine Frau
Baden bei Wien den 14. Oktober 1791


Liebstes bestes Weibchen


Gestern Donnerstag den 13ten ist Hofer mit mir hinaus zum Carl, wir speisten daraus, dann fuhren wir herein, um 6 Uhr hohlte ich Salieri und den Cavalieri mit den Wagen ab, und führte sie in die Loge - dann gieng ich geschwind die Mama und den Carl abzuhohlen, welche unterdessen bey Hofer gelassen habe.

Du kannst nicht glauben, wie artig beide waren, - wie sehr ihnen nicht nur meine Musick, sondern das Buch und alles zusammen gefiel.
 - Sie sagten beide ein Opera, - würdig bey der größten festivität vor dem größten Monarchen aufzuführen, - und Sie würden sie gewis sehr oft sehen, den sie haben noch kein schöneres und angenehmeres Spectacel gesehen.

- Er hörte und sah mit aller Aufmerksamkeit und von der Sinfonie bis zum letzten Chor, war kein Stück, welches ihm nicht ein bravo oder bello entlockte, und sie konnten fast nicht fertig werden, sich über diese Gefälligkeit bei mir zu bedanken. Sie waren allzeit gesinnt gestern in die Oper zu gehen. Sie hatten aber um 4 Uhr schon hinein sitzen müssen - da sahen und hörten Sie aber mit Ruhe.
 - Nach dem Theater ließ ich sie nach Hause führen, und ich supirte mit Carl bei Hofer. - Dan fuhr ich mit ihm nach Hause, allwo wir beyde herrlich schliefen. Dem Carl hab ich keine geringe Freude gemacht, daß ich ihm in die Oper abgeholt habe.

 - Er sieht herrlich aber daß übrige ist leider Elend! - einen guten Bauern mögen sie wohl der Welt erziehen! - aber genug, ich habe weil Montag erst die
großen Studien (daß Gott erbarm) den Carl bis Sonntag nach Tisch ausgebeten; ich habe gesagt, daß du ihm gerne sehen möchtest - Morgen Sonntag komme ich mit ihm hinaus zu dier - dan kannst du ihn behalten, oder ich führe ihn Sonntag nach Tisch wieder zu Hecker; - überlege es, wegen einen Monath, kann er eben nicht verdorben werden, denke ich! - unterdessen kann die Geschichte wegen den Piaristen zu Stande kommen, woran wirklich gearbeitet wird. - übrigens ist er zwar
nicht schlechter, aber auch um kein Haar besser als er
immer war. er hat die nähmlichen Unform, plaget gerne wie sonst, und lernt fast noch weniger gern, weil er daraus nichts als vormittags 5 und nach Tisch 5 Stunden im Garten herumgeht, wie er mir selbst gestanden hat, mit einem Wort die Kinder thuen nichts, als Essen, trinken, schlafen und spazieren gehen, eben ist Leitgeb und Hofer bei mir; - ersterer bleibt bey mir beym Essen, ich habe meinen treuen Kameraden Primus eben um ein Essen ins Bürgerspital geschickt; - mit dem Kerl bin ich recht zufrieden ein einziges Mahl hat er mich angesetzt, daß ich gezwungen war bey Hofer zu schlafen, welches mich sehr seckirte, weil sie mir zu lange schlafen, ich bin am liebsten zu Hause, weil ich meine Ordnung schon gewohnt bin dieß einzige Mahl hat mich ordentlich übeler Humor angeregt. Gestern ist mir der Reise nach
Bernstorf der ganze Tag daraufgegangen, darum konnte ich dir nicht schreiben - aber daß du mir 2 Tage nicht geschrieben, ist unverzeihlich, heute hoffe aber gewiß Nachricht von dir zu erhalten, und Morgen selbst mit dir zu sprechen, und dich von Herzen zu küssen.

Lebe wohl Ewig dein

Mozart

 

d. 14.8br.791.
Die Sophie küsse ich tausendmahl, mit N. N. mache was
du willst, adieu.


 

 

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Dies sind nun also  die letzten Zeilen Werner Fuld Krüger Verlag Erschienen im Krüger Verlag, einem Unternehmen des S. Fischer Verlag GmbH 2007