BRIEFE

 

 

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 

Schubert Franz Peter

1791 - 1828
 


Der Herbst des Jahres 1828 bringt Schubert schmerzlichste Steigerung seines Kopfleidens. Immer wieder flieht er ins Freie - fühlt sich nur wohl im Wandern. Draußen in Hernals hört er die letzte Musik: ein Requiem seines Bruders Ferdinand.

Acht Tage später der grenzenlos Ermattete auf dem Krankenlager. Noch weiß er keine Gefahr. Korrigiert in Erholungspausen die Druckbogen der Winterreise. Spricht voll ekstatischer Sehnsucht von jenem Opernplan, der seinem Herzen stets so teuer war.

Bis ihn - am 16 November - das tödliche Nervenfieber überfällt.

Am Abend vor dem Ende ruft er den Bruder ans Bett: "Du - was geschieht mit mir?" - und - sehr ernst und langsam: " Hier ist mein Ende"
Dann kam der Tag, da dieser 31 jährige, der die Welt so unerhört bereichert hat, aus seinem kleinbürgerlichen Dasein hinging in das letzte königliche Dunkel.



Lieber Schober
12 November 1828

Ich bin krank. ich habe schon 11 Tage nichts gegessen und getrunken, und wandle matt und schwankend von Sessel zu Bett und zurück.
Rinna behandelt mich. Wenn ich auch etwas genieße, so muß ich es gleich wieder von mir geben. Sey also so gut, mir in dieser verzweiflungsvollen Lage durch Lektüre zu Hülfe zu kommen. Von Cooper habe ich gelesen: den letzten der Mohikaner, den Spion, den Lootsten und die Ansiedler. Solltest Du vielleicht noch was von ihm haben, so beschwöre ich Dich, mir solches bei der Frau F. von Bogner im Kaffeehs. zu deponieren. mein bruder, die Gewissenhaftigkeit selbst, wird solches am gewissenhaftigsten mir überbringen. Oder auch etwas anderes.

Dein Freund
Schubert.
 

 

 

 

 

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" Dies sind nun also die letzten Zeilen" / Krüger Verlag 2007   Werner Fuld