BRIEFE

 

 

 

DER LETZTE BRIEF
    BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht: Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos –werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 

                           

 

 


STRAUSS RICHARD

1846 - 1949




 AN FRANQOIS PONCET


(Diktierter, aber nicht mehr unterschriebener Brief)


Sehr verehrter und lieber Herr Botschafter!


Lassen Sie mich, bitte, meine tiefempfundene Genugtuung darüber aussprechen, daß Sie als einer der verdienstvollsten Europäer die Stelle eines Hohen Kommissars in Deutschland übernommen haben. Sie haben einen großen Teil Ihrer Lebensarbeit der deutsch-französischen Verständigung gewidmet und so ist es mir an meinem Lebensabend ein beruhigender Gedanke, Sie an dieser verantwortungsvollen Stelle zu wissen. In diesem Sinne begleiten Sie meine allerherzlichsten Wünsche.

Leider bin ich krank und kann Ihnen nicht so ausführlich schreiben, was ich für Deutschland und Frankreich und Mitteleuropas Zukunft auf dem Herzen trage, Gedanken, die immer mit Ihrer Person verknüpft waren, auf die ich in den ganzen Katastrophenjahren die Hoffnung setzte. Gerne würde ich mich ausführlicher mit Ihnen aussprechen und hoffe, daß Sie ihr Weg einmal über Garmisch führt, wo wir Sie und Ihre verehrte Frau Gemahlin bei der Olympiade als Gäste begrüßen durften.

Mit verbindlichsten Grüßen Ihr aufrichtig ergebener


August 1949




 

 

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DER TON DER TÖNE TRUG MICH FORT / IN ZUSAMMENARBEIT MIT ALICE UND FRANZ STRAUSS HERAUSGEGEBEN VON FRANZ GRASBERGER  BEI VERLAG HANS SCHNEIDER TUZING 1967