Der letzte Brief

 

Briefe berühmter Menschen

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht:
Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.

Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos – werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu
entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die
Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 





Georg Schröder

1904 - 1944


 



40 Jahre alt - Spezialarbeiter für elektrische Schweissarbeiten - geboren am 10, Nnmtiber 1904in Rixdorf. - Siedelte nach dem ersten Weltkrieg nach Berlin über und trat der deutschen sozialdemokratischen Partei bei, in der er später leitende Funktionen übernahm - wurde 1933 von den städtischen Elektrizitätswerken Berlins wegen seiner sozialistischen Ueberzeugung entlassen - fand nach einer Zeit grosser Not Arbeit bei den Siemens-Werken, hatte aber weiterhin vielerlei Erniedrigungen zu erdulden. - Wurde 1943 auf Grund einer Anzeige eines Jünglings dem Freund seines Sohnes, dem er die Gründe seiner Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus darlegte, verhaftet und ins Brandenburger Gefängnis Berlin verbracht.  Am 1. Juli 1944 vom Berliner Volksgerichtshof Defaitismus verurteilt. - Am 11. September 1944 im Brandenburger Gefängnis hingerichtet.




Meine Lieben alle zusammen!


Dies ist der letzte Brief, den ich Euch schreibe. Der Justizminister hat alle Gnadengesuche abgelehnt. Ich habe die Ueberzeugung, dass ich mein Schicksal unschuldig erleide, deshalb gehe ich dem Ende gefasst entgegen. Ich habe nur für Euch gestrebt und das Wohl der Menschheit gewollt.
Euch vor allem eins: Lernt, lernt, lernt! Wissen ist Macht und bewahrt Euch davor, charakterlose Menschen zu werden.
Herzliche Grüsse und Küsse fürs ganze Leben
Euer Papa,


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" Und die Flamme soll euch nicht versengen" / 1955 Steinberg Verlag Zürich 1955