Der letzte Brief

 

Briefe berühmter Menschen

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe. Sein Aroma ist köstlich.
Was sonst in armseliger Verteilung aus Briefen blüht:
Genialität des  Denkens, Glaubens Liebens– im letzten Brief wird er zu einer  Synthese.

Sein  Pathos ist unerhört- aber sein Ethos wächst darüber hinaus.
Beide –Pathos und Ethos – werden aufgenommen in die hohe Stimme einer nie zu
entwirrenden Mystik.  
Es ist das Schicksal der letzten Takte der neunten Symphonie, die eingehen in die
Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 

Ilse  Linden/  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919

 



WEBER CARL MARIA

1786 - 1826
 

 

Aus dem letzten Brief sprach der Meister noch zur treuen Gattin, indessen sein Mund schon verstummt war.

„Nun laßt mich schlafen!" waren seine allerletzten Worte.

London den 2. Juni 1826.


„Welche Freude, geliebte Mukkin, hat mir Dein lieber Brief vom 23. Mai gemacht! Welches Glück für mich, Euch gesund zu wissen — Leider bin ich noch sehr erregt und angegriffen. Guter Gott, nur erst im Wagen sitzen! — Wäre der ,Freischütz' künftigen Montag erst überstanden! Nun, Gott wird Kräfte schenken! — Gott gebe, daß ich recht helfen kann, wenn ich komme. Den besten Willen dazu bringe ich mit. Da dieser Brief keine Antwort erhält, so wird er sehr kurz ausfallen. Gelt, das ist bequem, nicht antworten zu dürfen? Fürstenau hat sein Konzert aufgegeben, vielleicht kommen wir noch ein paar Tage früher fort — Heisa!
Gott segne Euch alle und erhalte Euch gesund! Wäre ich nur schon in Eurer Mitte! Ich küsse Dich innigst, meine geliebte Mukkin, behalte mich auch lieb und denke heiter an

Deinen Dich über alles liebenden Carl."



 



STARTSEITE /INDEX

__________________

Reise - Briefe Carl Maria von Weber an seine Frau Carolina herausgegeben von seinem Enkel
Leipzig 1886 Verlag von Alphons Dürr.