Harry Mirlert
geboren 1912, gefallen 1943
An seine Frau
24. AUGUST
Ich kann an nichts denken, was außer unserer Liebe ist. Alles begegnet
schon nach kurzem Weg dem reißenden Strom meiner Sehnsucht nach Dir.
Es ist furchtbar schwer, das Blut und die die Seele den Gesetzen des
Schicksals zu unterwerfen und sich binden zu lassen wie einen Sklaven, wo
es doch so gewiß ist, dass Freiheit – Schönheit, Sinn und Leben nur in der
Liebe sein kann!
Diesem elenden „ Muß“ immer wieder zu folgen, kann auf die Dauer nicht zu
ertragen sein und doch ist es ja die große Leistung aller liebenden, die
Trennung durchzuhalten und aus ihr die schöpferische Kraft sich bilden zu
lassen, die uns wieder „ auf morgenroten Flügeln „ zueinanderzwing.
So lamge müssen wir warten, immer den Mächten angeimgegeben und
unterworfen.
Feiern und Ehren wollen wir die hohe Macht der Liebe, die uns immer wieder
aus diesem Jammertal einer Knechtschaft die Freiheit bringt-----
LITERATUR; KrIEGSBRIEFE GEFALLENER STUDENTEN 1933-1945 / R.
PIEPER VERLAG§ CO
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